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Exxpress
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Exxpress (Eigenschreibweise eXXpress) ist ein seit MĂ€rz 2021 bestehendes österreichisches Boulevard-Onlinemedium. GrĂŒnder sind Richard Schmitt, der bis JĂ€nner 2024 auch Chefredakteur war,cite-ref-2-2-0[2] sowie die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Eva SchĂŒtz-Hieblinger. Exxpress ist zu 77 % in der Hand von Vius, der Betreiberfirma des MillionĂ€rs Frank Gotthardt, die auch das rechtspopulistische Medium Nius hĂ€lt.

Aufgrund wahrheitswidriger Berichterstattung, Beziehungen zu rechtsextremen Aktivisten und weiteren Skandalen ist eXXpress selbst immer wieder Thema der Berichterstattung anderer Medien.

Contents

‱ Team
‱ Kritik
‱ Weblinks

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Programmatik und Reichweite

Laut Eigendarstellung ist Exxpress ein „bĂŒrgerlich-liberales Digitalmedium fĂŒr Politik und Wirtschaft“, unabhĂ€ngig von politischen Parteien und Interessenvertretungen, das unter anderem „fĂŒr eine StĂ€rkung der persönlichen Freiheitsrechte, der Meinungsfreiheit sowie fĂŒr eine Förderung von Toleranz im Sinne des Humanismus und der AufklĂ€rung“ eintrete.cite-ref-impressum-1-2[1] Die GrĂŒnder bezeichnen Exxpress als „gehobenen Boulevard“.cite-ref-profil-winter-3-0[3]cite-ref-standard-fidler-4-0[4]cite-ref-kleinezeitung-5-0[5] In Bezug auf andere politische Blogs meinte SchĂŒtz in einem Horizont-Interview, dass Exxpress nicht durch Skandalisierung Quote machen wolle.cite-ref-horizont-6-0[6]

In einem Artikel der österreichischen Tageszeitung Der Standard wird Exxpress als „konservative Plattform“ dargestellt, wobei GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Eva Hieblinger-SchĂŒtz als der ÖVP nahestehend und Chefredakteur Richard Schmitt als fĂŒr FPÖ-Strache kampagnisierend bezeichnet wird.cite-ref-7[7] Im Mai 2024 bezeichnete Der Standard die Plattform als „stramm rechts“. FĂŒr die GeneralsekretĂ€rin des Presseclubs Concordia, Daniela Kraus, ist Exxpress eine „verantwortungslose Hetzplattform“.cite-ref-5-8-0[8]

Eine Reichweitenerhebung sah Exxpress im Oktober 2022 bei 1,4 Millionen Unique Clients und damit auf dem 13. Platz im österreichischen Ranking. Die drei reichweitenstÀrksten Medien kamen im gleichen Zeitraum auf 8,7 respektive 7,5 und 6 Millionen Einzelzugriffe.cite-ref-9[9] Im MÀrz 2024 sank die Reichweite auf 525.000 Unique Clients.cite-ref-4-10-0[10] Im Mai 2024 sank die Reichweite weiter, diesmal auf 278.846 Unique User.cite-ref-11[11]

Spar Österreich fĂŒhrt das Medium auf seiner schwarzen Liste und tĂ€tige keine Einschaltungen (buche keine Werbeanzeigen), was von Chefredakteur Schmitt bestritten wurde.cite-ref-12[12] Die Zeitschrift profil berichtete aus einer internen Chat-Gruppe ĂŒber die schnelle Entstehungsweise von nicht-exklusiven Texten: Diese dĂŒrften den Redakteur laut Richard Schmitt höchstens 30 Minuten in Anspruch nehmen.cite-ref-13[13]

Team

Das Team bestand anfĂ€nglich aus insgesamt neun Redakteuren sowie drei Mitgliedern des Social-Media-Teams (Stand 2. MĂ€rz 2021).cite-ref-horizont-6-1[6] Insgesamt sollen achtzehn Menschen unter Vertrag stehen,cite-ref-standard-fidler-4-1[4]cite-ref-falter-toth-14-0[14] die HĂ€lfte davon in der „Newsportal-Redaktion“. Die ĂŒbrigen Mitarbeiter sollen sich mit dem TV-Sender beschĂ€ftigen.cite-ref-diepresse-15-0[15] Im Oktober 2023 hatte das Medium nach KĂŒndigungen von 8 redaktionellen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen 16 Personen in diesem Bereich tĂ€tig.cite-ref-16[16] Im MĂ€rz 2024 sind 10 Vollzeitmitarbeiter beschĂ€ftigt.cite-ref-4-10-1[10]

Christian Ortner ist als Kolumnist und Berater fĂŒr das Online-Medium tĂ€tig.cite-ref-profil-winter-3-1[3]cite-ref-diepresse-15-1[15] In seiner ersten Kolumne klagte er ĂŒber das mangelhafte Angebot an rechts-orientierten Medien.cite-ref-17[17] Daniela Holzinger-Vogtenhuber (ehemalige Abgeordnete SPÖ und JETZTcite-ref-18[18]) veröffentlicht ebenfalls eine Kolumne.cite-ref-19[19] Weiters im Team sind Journalist und Autor Peter Sichrovsky (ehemaliger Europaabgeordneter und GeneralsekretĂ€r der FPÖ), die Journalistin Ruth Pauli, der Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier,cite-ref-20[20] Elisabeth Hechenleitner (ehemalige Pressesprecherin der FPÖ),cite-ref-oe1orfat-2021-05-03-21-0[21] Anna Dobler (ehemals Salzburger Krone, KĂŒndigung 2022, siehe Abschnitt tieferstehend) und Sandra Jungmann (Woman).cite-ref-diepresse-15-2[15]

Laut profil sind auch Ex-Redakteure von Österreich (oe24.at) und der Wiener Zeitung bei Exxpress tĂ€tig. Außerdem soll RenĂ© Rabeder dabei sein,cite-ref-profil-winter-3-2[3] ein ehemaliger Mitarbeiter des FPÖ-nahencite-ref-profil-22-0[22] Wochenblick, das zahlreiche medienethische VerstĂ¶ĂŸe aufzuweisen hat.cite-ref-23[23]cite-ref-24[24] So hege Rabeder Sympathien fĂŒr private Milizen, die zum BĂŒrgerkrieg bereit gewesen seien, wĂ€re der damalige US-PrĂ€sident Trump seines Amtes enthoben worden. Weiters empfinde er die IdentitĂ€re Bewegung nicht als rechtsextrem.cite-ref-profil-winter-3-3[3]

Das Medium wurde von Richard Schmitt aufgebaut, der am 22. JĂ€nner 2024 erklĂ€rte: „Der 'Exxpress' bin ich. Warum soll ich mich zurĂŒckziehen? Das ist mein Baby“.cite-ref-25[25] Am 24. JĂ€nner verlautbarte Eva SchĂŒtz, dass Schmitt nicht mehr Chefredakteur sei.cite-ref-3-26-0[26]

Exxpress-TV (Juni 2021–September 2023)

ExxpressTV wurde seit Juni 2021 außer ĂŒber den Eigen-Online-Auftritt auf Youtube sowie im Kabelnetz auf Kanal 170 von Magenta gesendet. Teil des Programmes waren Nachrichten, Nachrichtenreports, Sendungen mit Fokus auf Geschichtliches sowie ein „Lifecoach-Format“.cite-ref-standard-fidler-4-2[4]cite-ref-27[27]cite-ref-28[28]cite-ref-29[29]cite-ref-30[30] Ende September 2023 wurde bekannt, dass die Entwicklung des Fernsehformats sich im derzeitigen Umfeld nicht finanzieren ließe. Die Mitarbeiter wurden zur KĂŒndigung angemeldet. VideobeitrĂ€ge zu Artikeln und auch Schmitts Sendung Expresso solle es weiterhin geben.cite-ref-31[31]

Finanzierung und Vermarktung

Die ersten drei Jahre des Bestehens von Exxpress seien mit etwa 1 Million Euro pro Jahr finanziell gesichert, so SchĂŒtz bei GrĂŒndung. Nach der dreijĂ€hrigen Startphase sollte das Projekt eigenstĂ€ndig Gewinn einbringen können.cite-ref-falter-toth-14-1[14]cite-ref-kleinezeitung-5-1[5] Bei der Finanzierung sollte Werbung die Hauptrolle spielen.cite-ref-diepresse-15-3[15] Seit Februar 2023 vermarktet die k-digital Medien GmbH & Co KG, ein Tochterunternehmen des Kurier Medienhauses (Kurier Zeitungsverlag und Druckerei GmbH) Exxpress.cite-ref-32[32] Zum Jahresende 2022 gewĂ€hrte Eva SchĂŒtz ein Wandeldarlehen in der Höhe von 1,185 Millionen Euro. Nach dem Ende der Fernsehsender-Ambitionen wurde von SchĂŒtz das Ende der roten Zahlen vier Jahre nach dem Marktstart erwartet.cite-ref-0-33-0[33] Ende 2023 musste Exxpress wegen Bilanzverlust in Höhe von 6,5 Millionen Euro die RĂŒcklagen in Höhe von 4,8 Millionen Euro auflösen und 1,1 Millionen Euro Stammkapital einsetzen.cite-ref-4-10-2[10] Die GewĂ€hrung von Medienförderung fĂŒr Exxpress wurde im Sommer 2025 vom Rechnungshof scharf kritisiert.cite-ref-34[34] Im November 2025 wurde bekannt, dass der Bilanzverlust laut dem Jahresabschluss des Jahres 2024 auf 6,92 Millionen Euro gestiegen ist.cite-ref-8-35-0[35]

EigentĂŒmerstruktur

Exxpress wird ĂŒber die am 28. JĂ€nner 2021 gegrĂŒndete web Exxpress Medien Holding GmbH, Firmenbuchnummer FN 551658mcite-ref-36[36], mit Sitz im 8. Wiener Bezirk, betrieben.cite-ref-impressum-1-3[1]

Im JĂ€nner 2024 wurde bekannt, dass die Herausgeberin Eva SchĂŒtz ihre Gesellschafteranteile an der web Exxpress Medien Holding GmbH auf 72,64 Prozent aufstockte,cite-ref-37[37]cite-ref-38[38] Richard Schmitt, die Rutter Leasing GmbH und Trapp Besitz GmbH die Medienholding verlassen haben – „ohne Gegenleistung“ –, jedoch die Liechtensteiner Libertatem-Stiftung mit 25,22 Prozent und die Utiply Family Office GmbH mit 2,14 Prozent ihre Anteile weiterhin halten.cite-ref-39[39]

Zum 17. Mai 2024 ĂŒbernahm die Betreiberfirma Vius des MillionĂ€rs Frank Gotthardt, zu der auch das rechtspopulistisch und rechtskonservativcite-ref-40[40] ausgerichteten Online-Medienportal Nius um den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt gehört, 25 Prozent der Exxpress Medien Holding.cite-ref-41[41] Im November 2024 wurden die Anteile auf 50 Prozent erhöht.cite-ref-6-42-0[42] Im JĂ€nner 2025 wurde der Anteil von Vius auf 75 Prozent aufgestockt.cite-ref-7-43-0[43]

Anteilseigner der Holding zum Stand November 2025 waren:cite-ref-8-35-1[35]

‱ Vius SE & Co KGaA: 77,3 Prozent (Nius)
‱ Eva SchĂŒtz Beteiligungs GmbH: 16,05 Prozent
‱ Libertatem-Stiftung: 5,0 Prozent (Liechtensteiner Stiftung mit dem Stiftungszweck „Förderung der Meinungsfreiheit und von kritischem Journalismus“)
‱ Alexander SchĂŒtz: 1,15 Prozent
‱ CAB GmbH: 0,24 Prozent
‱ Wolf-Dietrich Schneeweiss: 0,24 Prozent

Kritik

Exxpress wird in der Fachzeitschrift Journalistik unter anderem wegen tendenziöser bis wahrheitswidriger Berichterstattung kritisiert.cite-ref-44[44] Im Marketing-Branchenmagazin Horizont stand Anfang 2024, dass das Portal fĂŒr seinen kontroversen Stil „nicht nur zuletzt harsch kritisiert“ wurde.cite-ref-3-26-1[26]

Mangelnde UnabhÀngigkeit

NĂ€he zur Österreichischen Volkspartei

In einer parlamentarischen Anfrage vom 17. MĂ€rz 2021 an Bundeskanzler Sebastian Kurz Ă€ußerte die SPÖ Bedenken aufgrund einer möglichen ParteinĂ€he von Exxpress zur Österreichischen Volkspartei (ÖVP). Der Grund dafĂŒr war, dass Eva SchĂŒtz stellvertretende Kabinettschefin des Ex-Finanzministers Hartwig Löger (ÖVP) war und unter der tĂŒrkis-blauen Regierung in den Aufsichtsrat der ÖBB Rail Cargo entsandt wurde.cite-ref-parlam-anfrage-2021-03-17-45-0[45] Weiters ist ihr Ehemann Alexander SchĂŒtz, der 2017 bis 2021 Aufsichtsrat der Deutschen Bank war, Großspender der ÖVP.cite-ref-parlam-anfrage-2021-03-17-45-1[45]cite-ref-oe1orfat-2021-05-03-21-1[21]

NĂ€he zur Freiheitlichen Partei Österreichs

In Bezug auf Chefredakteur Richard Schmitt weisen Medien auf ein NaheverhĂ€ltnis zu Heinz-Christian Strache (ehemals Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), nunmehr Team HC) beziehungsweise der FPÖ hin. Dies begrĂŒnden sie damit, dass Strache im Zuge der Ibiza-AffĂ€re dabei aufgenommen wurde, als er ĂŒber Journalisten herzog („Journalisten sind ja sowieso die grĂ¶ĂŸten Huren auf dem Planeten. Sobald sie wissen, wohin die Reise lĂ€uft, funktionieren sie so oder so. Man muss es ihnen ja nur kommunizieren“cite-ref-46[46]) und dabei Richard Schmitt namentlich und lobend als Ausnahme hervorhob (er sei einer „der besten Leute, die es gibt“cite-ref-47[47]).cite-ref-diepresse-15-4[15]cite-ref-faz-48-0[48] Schmitt verlor daraufhin seine Position bei der Online-Version der Kronen Zeitung (krone.at).cite-ref-49[49] Im Jahr 2020 veröffentlichte Handynachrichten zeigten, dass Schmitt und Strache vorhatten, ein gemeinsames eigenes Medium aufzubauen. Dieses Vorhaben wurde allerdings nie in die Tat umgesetzt.cite-ref-oe1orfat-2021-05-03-21-2[21]cite-ref-50[50]

NÀhe zur IdentitÀren Bewegung und Wochenblick

Im Juni 2024 veröffentlichte Exxpress einen Artikel von Magdalena Menegus mit der Überschrift „Make Europe great again“. Sie war bis 2021 Autorin bei Freilich, dem Nachfolgemagazin der rechtsextremen Zeitschrift Die Aula, und nimmt an Kundgebungen der IdentitĂ€ren Bewegung teil.cite-ref-51[51] Menegus ist zugleich Autorin bei Nius, ĂŒber ihre Verbindungen zur AfD und den IdentitĂ€ren wurde im ZDF Magazin Royale vom 6. Dezember 2024 berichtet.cite-ref-52[52] Ab 2021 war der frĂŒhere Chef vom Dienst, RenĂ© Rabeder, beim rechtsextremen Wochenblick als Autor beschĂ€ftigt.cite-ref-53[53]

Tendenziöse bis wahrheitswidrige Berichterstattung

‱ Am 15. MĂ€rz 2021 startete Exxpress seinen Auftritt in der Medienlandschaft mit der Veröffentlichung des Tonbandes der Ibiza-AffĂ€re in gesamter LĂ€nge.cite-ref-54[54] Laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung hat Exxpress hier „eine vermeintliche Sensation“ prĂ€sentiert, da die von Schmitt publizierten Inhalte keinen Neuigkeitswert hĂ€tten.cite-ref-faz-48-1[48] Schmitt spricht im Rahmen der Veröffentlichung des gesamten Tonbandes von entlastendem Material zugunsten von Heinz-Christian Strache.cite-ref-55[55] Bereits 2019 hat der damalige oe24.at-Chefredakteur Schmitt die journalistische Sorgfaltspflicht missachtet. Laut dem Landesgericht fĂŒr Strafsachen Wien wurden nach erster Veröffentlichung des Ibiza-Videos im Mai 2019 in Artikeln Schmitts gewisse Behauptungen „herbeigeredet“; die Veröffentlichungen seien außerdem „tendenziös“ gewesen. In einem weiteren Vorwurf habe er rechtskrĂ€ftig einen Artikel „reißerisch dargestellt“ und Verbindungen hergestellt, die „reißerisch wahrheitswidrig“ sind.cite-ref-56[56]
‱ Ein Faktencheck des Falters ĂŒberprĂŒfte die Meldung „Mordanschlag auf FPÖ-Politiker: Spur fĂŒhrt in die Antifa-Szene“. Bei einem sichtbar als Auto der FPÖ zu erkennenden Fahrzeug waren die Radmuttern gelöst worden. Die Nachfrage bei der Polizei ergab, dass keine Spur in die Antifa-Szene verfolgt wurde. Die Polizeisprecherin sagte: „[J]eder hĂ€tte die Radmuttern lockern können“.cite-ref-57[57]
‱ Im Oktober/November 2021 kam es im Umfeld der Hausdurchsuchungen im Bundeskanzleramt, bei einer Meinungsforscherin und der ÖVP-Zentrale zu einem Bericht von Exxpress, bezugnehmend auf Recherchen von „PlagiatsjĂ€ger“ Stefan Weber, dass ein ermittelnder Staatsanwalt der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft privat mit einer der Sachbearbeiterinnen liiert war, die fĂŒr die Staatsanwaltschaft die Chats auswertete. Exxpress schrieb dabei, dass der Chefredakteur des Falters (Florian Klenk) und der Staatsanwalt im gleichen Ort wohnten, sowie die Luftlinie („1500m“cite-ref-58[58]) zwischen den Wohnsitzen. Das wurde von Klenk als Bedrohung seiner Familie gewertet. Das Veröffentlichen von Privatadressen von Ermittlern wurde von mehreren Seiten kritisiert, darunter dem BĂŒro der Justizministerin, den StaatsanwĂ€lten und dem Presseclub Concordia.cite-ref-59[59] Nicht behauptet, aber insinuiert wurde, der Staatsanwalt habe Klenk Informationen zukommen lassen.cite-ref-60[60]
‱ Im MĂ€rz 2022 wurde Exxpress (nicht rechtskrĂ€ftig) zur Zahlung von 10.000 Euro wegen ĂŒbler Nachrede gegen den Journalisten Sebastian Leber der deutschen Tageszeitung Der Tagesspiegel verurteilt. Dabei wurde auch bekannt, wie die Recherche zum inkriminierten Artikel erfolgte: „Der ‚Exxpress‘-Redakteur bekam von seinem Chefredakteur Richard Schmitt einen Tweet zu dem Fall weitergeleitet. Die Quelle ist unbekannt, die Recherche beschrĂ€nkte sich auf die InternetlektĂŒre eines kroatischen Artikels, ĂŒbersetzt mit Google Translate, und das Überfliegen der Geschichte auf orf.at und spiegel.de, erzĂ€hlt der Redakteur als Zeuge.“cite-ref-61[61] Im Dezember 2022 wurde die Verurteilung rechtskrĂ€ftig.cite-ref-62[62]
‱ Im November 2022 veröffentlichte der Exxpress eine als antisemitisch eingestufte Karikatur. Erst nach heftiger öffentlicher Kritik, wobei sie zuerst vom Chefredakteur Richard Schmitt verteidigt wurde, wurde der Artikel gelöscht. Von der Israelitischen Kultusgemeinde und Presserat wurde die Veröffentlichung heftig kritisiert, fĂŒr die grĂŒne Kultursprecherin Eva Blimlinger stellt sie einen Fall dar, der zum Entzug der Presseförderung fĂŒhren könnte.cite-ref-63[63]
‱ Im Juni 2023 erschien ein Interview, das Richard Schmitt mit dem russischen Botschafter in Wien, Dmitri Ljubinski, gefĂŒhrt hatte. Darin werden mehrere Propaganda-Aussagen Russlands zum russischen Überfall auf die Ukraine 2022 und dem Russisch-Ukrainischen Krieg unwidersprochen wiedergegeben. FĂŒr den Fernsehmoderator und Journalisten Armin Wolf stellt sich die Frage, warum das Medium mit österreichischem Steuergeld und nicht mit russischem finanziert werde. Auch der Völkerrechtsexperte Ralph Janik kritisierte, dass hier die Verbreitung russischer Propaganda Presseförderung erhalte.cite-ref-64[64] Das Watchblog kobuk.at beschreibt Exxpress als Quelle von Putin-Propaganda.cite-ref-65[65]
‱ Im Juli 2023 erschien ein Artikel des Exxpress, in dem behauptet wurde, dass es eine „brutale SchlĂ€gerei“ in einem öffentlichen Bad in Wien gegeben habe. Ein Sprecher der Wiener BĂ€der kommentierte den Artikel als „frei erfunden und gelogen“, auch die Wiener Polizei bestĂ€tigte, dass es keinen entsprechenden Zwischenfall gegeben habe.cite-ref-66[66]
‱ Auf dem Kurznachrichtendienst X verfolgt ein anonym bleibender User „Björn Björnsen“ die Berichterstattung von Exxpress und ĂŒberprĂŒft sie auf Fehler. Dabei wird er fast tĂ€glich fĂŒndig.cite-ref-0-33-1[33]
‱ Am 28. November 2023 wurde Exxpress nicht rechtskrĂ€ftig zur Zahlung von 12.938 Euro verurteilt, weil in 46 Artikeln ĂŒber die Scheidung von Heinz-Christian Strache in dessen persönlichen, privaten Lebensbereich eingegriffen wurde. Die Anklage hatte 100.000 Euro gefordert, die Richterin setzte die Summe aber bewusst niedrig an, um nicht ein Medium in finanzieller Schieflage mit geringer Reichweite in der Existenz zu bedrohen.cite-ref-67[67]cite-ref-68[68]

Debatte um entlassene stellvertretende Chefredakteurin 2022

Die stellvertretende Chefredakteurin Anna Dobler wurde am 25. JĂ€nner 2022 via gemeinsam von Herausgeberin Eva SchĂŒtz und Chefredakteur Schmitt auf Twitter publizierter Veröffentlichung entlassen, weil sie in einem Tweet ĂŒber die Nationalsozialisten die Behauptung aufgestellt hatte: „Das waren nicht nur Mörder, sondern durch und durch Sozialisten“.cite-ref-69[69]cite-ref-70[70] Focus-Kolumnist Jan Fleischhauer verteidigte Dobler mit Hinweis darauf, der Historiker Götz Aly vertrete in seinem Buch Hitlers Volksstaat (2005) Ă€hnliche Thesen.cite-ref-71[71] Der irische Historiker Brendan Simms sagte in einem Interview, Nationalsozialisten hĂ€tten sich selbst als Sozialisten verstanden, eine sozialistische Politik allerdings nicht verfolgt.cite-ref-72[72] FĂŒr den der UniversitĂ€t Graz lehrenden Geschichtsprofessor Werner Suppanz stimmt die Aussage von Dobler „eindeutig nicht“.cite-ref-73[73]

Im Februar 2022 reichte Dobler beim Arbeits- und Sozialgericht Wien eine Anfechtungsklage wegen ihrer Entlassung ein und erhob darin „schwere VorwĂŒrfe gegen ‚Exxpress‘ und dessen Chefredakteur Richard Schmitt“. Es herrsche in der Redaktion eine „journalistisch-unethische [sic!] Handlungsweise“ vor; so wĂŒrden bevorzugt politisch rechts stehende Mitarbeiter engagiert und Artikel nicht sauber recherchiert, abgeschrieben und kopiert. Auch wĂŒrden Frauen in der Redaktion schlechter bezahlt als MĂ€nner. Schließlich fĂŒhrte sie in ihrer Klage Beispiele von Texten der Webplattform an, die Ähnlichkeiten zwischen Kommunismus und dem Nationalsozialismus beinhalten sollen. Ihre Argumentation bestand darin, dass die ihr vorgeworfene Aussage Blattlinie gewesen wĂ€re und sie aus anderen GrĂŒnden entlassen worden wĂ€re.cite-ref-derstandard-20220214-74-0[74] Schmitt Ă€ußerte sich auf Anfrage des Standard nicht, schrieb jedoch Mitte Februar 2022 in einem weiteren Tweet: „Die Dame hat Irres ĂŒber die TĂ€ter des Holocaust getwittert, wollte sich dafĂŒr nicht einmal entschuldigen, klagt nun den exxpress und verbreitet böse Unwahrheiten ĂŒber ihre Kollegen – aktuell eher wenig GesprĂ€chsbasis.“cite-ref-75[75] Im MĂ€rz fand vor dem Wiener Arbeits- und Sozialgericht die erste Verhandlung statt,cite-ref-derstandard-20220214-74-1[74] das Verfahren wurde jedoch außergerichtlich beendet.cite-ref-76[76]

Morddrohungen gegen Armin Wolf

Anfang JĂ€nner 2024 stand ĂŒber 30 Stunden im moderierten Forum der Website ein Aufruf, einen Molotow-Cocktail auf die „Sozialisten“ am „KlĂŒngelberg“ (gemeint KĂŒniglberg als Synonym fĂŒr die Sendezentrale des ORF) zu werfen. Das Posting wurde mit 17 „Likes“ versehen, bevor es nach Aufmerksamkeit in sozialen Medien wortlos gelöscht wurde.cite-ref-1-77-0[77] Der beim Artikel abgebildete Moderator Armin Wolf nannte Exxpress eine „Dreckschleuder“ und kritisierte, dass es mehr als 1 Million € jĂ€hrlich aus öffentlicher Hand gebe und es sogar fĂŒr die Journalistenausbildung gefördert wĂŒrde. Auch der Presseclub Concordia kritisierte Exxpress scharf.cite-ref-1-77-1[77] Die Polizei nahm Ermittlungen auf.cite-ref-78[78] Der ORF leitete rechtliche Schritte ein, um die Nutzerdaten von Exxpress zu bekommen. Exxpress nahm Stellung, indem ausgesagt wurde, dass der Kommentar sofort nach Bekanntwerden gelöscht worden wĂ€re, und sagte ebenfalls seine Zusammenarbeit mit den Behörden zu.cite-ref-79[79] Da der Verfasser der Drohung nicht ausgeforscht werden konnte, wurden die Ermittlungen im Mai 2024 abgebrochen.cite-ref-5-8-1[8] Der Abgang von Schmitt als Chefredakteur fiel in zeitliche NĂ€he mit diesem Skandal.cite-ref-2-2-1[2]

Weblinks

‱ exxpress.at – Webportal von Exxpress
‱ Annelies Eckert: Blind am rechten Auge: Wie der Exxpress ĂŒber Extremismus berichtet. In: Kobuk, 30. JĂ€nner 2024 (online).
‱ Luis Paulitsch: GegenerzĂ€hlungen fĂŒr „Selberdenker“. Ein Versuch der Einordnung von „Alternativmedien“ im konservativen Spektrum. In: Journalistik, 2/2024 (online).

Einzelnachweise

cite-note-impressum-11. Impressum. In: exxpress.at. Abgerufen am 9. MĂ€rz 2023.
cite-note-2-22. ↑ Chefredakteur Richard Schmitt verlĂ€sst "Exxpress". Abgerufen am 24. Januar 2024.
cite-note-profil-winter-33. ↑ Jakob Winter: Ex-Wochenblick-Mitarbeiter heuert bei exxpress von Richard Schmitt an. In: profil. 13. MĂ€rz 2021, abgerufen am 9. MĂ€rz 2023.
cite-note-standard-fidler-44. ↑ Harald Fidler: „Gehobener Boulevard“ in Richard Schmitts „Exxpress“. In: Der Standard. 2. MĂ€rz 2021, abgerufen am 9. MĂ€rz 2023.
cite-note-kleinezeitung-55. ↑ Neues Boulevardmedium: Eva SchĂŒtz und Richard Schmitt starten Mitte MĂ€rz mit „Exxpress“. In: Kleine Zeitung. 3. MĂ€rz 2021, abgerufen am 9. MĂ€rz 2023.
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